von Schwarzeheike
19.03.2005 in den Elser Hallen
Lange hatten wir drauf gewartet und lange war es ja schon angekündigt worden. Und fast genauso lange ging es dem einen oder anderen auch schon auf die Nerven, wenn man das Portal zu schwarzes München betrat: Cradle of Filth, präsentiert von Schwarzes München (unter anderem), gab ihr lang (!) ersehntes Konzert in einer der Elser Hallen. Pünktlich zur Tour haben sie ja noch eine Special-Edition zu ihrem neuen Album “Nymphetamine” herausgegeben und nun wollten wir endlich sehen, was gepresst auf kleinen silbernen Scheiben recht vielversprechend geklungen hatte.
Teil 1: erste Enttäuschung
Beginn sollte 20 Uhr MEZ sein und Einlass ab 18.30 Uhr. Doch leider ging beim Abfertigen der Besucher (1500 waren es, da ausverkauft) einiges etwas langsamer als erwartet.
Dumpf vernahmen wir aus dem Inneren Klänge, die wir als Soundcheck deuteten und uns beruhigten – dies war immerhin eine plausible Erklärung dafür, dass es in der langen Schlange, die im leichten Nieselregen vor den Eingängen (ja, es waren 2 Eingänge) standen, keinen Schritt vorwärts ging. Endlich drinnen, konnten wir gerade noch die letzten beiden Songs von The Haunted mehr oder weniger am Rande “genießen”, denn der vermutete Soundcheck war leider schon Vorgruppe Nr. 1 gewesen. Was bleibt zu sagen? Leadsänger der Schweden Peter Dolving stand sehr sexy oben ohne auf der Bühne und strapazierte mit grölender Stimme die Ohren derer, die ihren Weg schon hineingefunden hatten, schön untermalt von aggressiven schnellen Gitarrenklängen und hämmernden Drums. Für meine Begriffe in diesem Moment sogar recht passend zur Stimmung, die sich zu dieser Zeit gerade breit gemacht hatte.
Teil 2: kleiner Lichtblick
Nach einer kurzen Pause, in der wir uns zur Aufmunterung ein Bierchen gönnten und uns gegenseitig für den weiteren Verlauf des Abends Mut machten, betraten unter donnerartigen Klängen die Portugiesen Moonspell die Bühne und begannen, dem Publikum ein wenig einzuheizen.
Und man staunte nicht schlecht – sie hatten Erfolg. Zwischen den Songs hörte man direkt einige “Moonspell, Moonspell”-Rufe aus dem Auditorium, Es wurde kräftig mitgeklatscht und vor Entzücken gepfiffen (sogar ich ließ mich dazu hinreißen). Sänger Fernando Ribeiro verstand es vorzüglich, sich selbst auf der Bühne zu präsentieren. Schauriges hartes Spotlight direkt von unten, brachte ihn zudem zum erstrahlen und sorgte für eine super Atmosphäre für Songs wie “From Lowering Skies” und “In and Above Men” von Ihrer neuen Platte “The Antidote”. Man merkte schnell, dass Moonspell eine Metal-Gruppe sind, die gerne auf der Bühne stehen. Zwischen den Songs gab es immer wieder das eine oder andere kurze instrumentelle Intermezzo, außerdem ließ es sich Ribeiro nicht nehmen, neben singen (schreien, grölen, brüllen…) auch hin und wieder ein paar nette Worte an das Publikum zu richten. Sehr sympathisch machten ihn mir seine positiven Bemerkungen zu den beiden anderen Acts, The Haunted und Cradle of Filth. Einziger Schwachpunkt der Show waren die zum Ende hin doch sehr eintönig und einfallslos wirkenden Lichteffekte, ein stetiger Wechsel zwischen flimmerndem Licht, Vollbeleuchtung des Publikums und oben bereits erwähntem Spotlight. Insgesamt jedoch ein gut einstündige Show, die einen wieder hoffen ließ.
Teil 3: zweite Enttäuschung
Dann sollten endlich Cradle of Filth aus dem schönen Großbritannien auftreten. Diese taten es nicht nur zu sechst (1x Gesang, 3x Zupfinstrument, 1x Schlagzeug, 1x Keyboard), sondern wurden stimmlich von einer netten blonden Dame unterstützt (die böse beschwörende Nymphe?) und optisch von zwei netten schwarzen Drachenmännern, die im Hintergrund zwischen Fackeln einen Tanz darboten. Sänger Dani Filth selbst präsentierte sich in einer Art Leguan-Outfit, ganz in schwarz gehalten, mit der typischen Gesichtsmalerei versehen.
Sie eröffneten Ihr Konzert mit dem ersten Song von “Nymphetamine” – “Gilded Cunt” (wie böse) und es versprach ein sehr netter Auftritt zu werden. Doch leider ereignet sich immer dann, wenn die Stimmung wieder einigermaßen gerettet zu sein scheint, das nächste Desaster. So sehr ich mich auch bemühte, es fiel mir im Folgenden sehr schwer, die Songs, die die Jungs auf der Bühne darboten, am Titel festzumachen. Gerade noch “Nymphetamine” konnte ich wiedererkennen, wahrscheinlich nur deshalb, weil hier o.g. Dame ihren Gesang zum Besten gab. Allerdings hoffe ich für sie, dass dies nicht ihre gesangliche Höchstleistung war, denn verglichen mit den Studioaufnahmen war dies eine recht armselige Vorstellung. Die Band konnte froh sein, bei diesem Stück von einer Artistin unterstützt zu sein, die frei schwebend an zwei violetten Seidenschals unter der Decke Kunststücke vorführte. Dies und auch die später folgende Tanzeinlage des Teufels (Tods?) stellten für mich persönlich den Höhepunkt der Vorstellung dar. Wobei man dazu sagen muss, dass Teufel/Tod eine riesige Gestalt war, in der ein Mann steckte, der wohl einiges an Kraft aufwenden musste, um all die Bewegungen auszuführen. Auch die beiden dunklen Gestalten durften ein weiteres Stelldichein geben und jeweils mit einer Flex Funkenregen auf ihren Brustpanzern zu erzeugen. Auch dies eine beachtliche Leistung.
Was bleibt zu sagen? Den eingefleischten Cradle of Filth-, Moonspell- oder The Haunted-Fan wird es wohl (sehr) gut gefallen haben, der Kritiker hingegen stand da und musste feststellen, dass einige Erwartungen leider nicht und andere nur teilweise eintrafen. Es war ein netter Abend, aber ein unvergesslicher war es wohl nicht, dazu fehlten hie und da doch die sogenannten Highlights. Bemerkenswert ist auch die Tatsache, dass zur Vorgruppe Moonspell die Stimmung in der Menge um einiges besser war als beim Hauptact. Vielleicht sollten Dani und seine Jungs doch noch einmal in sich gehen und an ihrer Show feilen, anstatt eine CD nach der anderen herauszubringen.
Wen es trotzdem oder gerade deswegen oder überhaupt interessiert:
www.the-haunted.com für die Jungs aus Schweden
www.moonspell.com für die Portugiesen
www.cradleoffilth.com für die Jungs von der Insel



