von el-Mar

am 7. März 2005 im Atomic Cafe

Euphorische Pressestimmen, die die Dresden Dolls u.a als “best band in Boston” oder “most original act in ages” bezeichneten und Vergleiche zu Kurt Weills genialen Songs der 1920er Jahre ebenso wie zu “PJ Harvey”, den “Violent Femmes” und anderen Topacts hatten die Erwartungen hoch geschraubt.

So war das Atomic Cafe auch zum Bersten gefüllt und die Luft innerhalb kürzester Zeit zum schneiden dick, was der gespannt-guten Athmosphäre aber keinen Abbruch tat. Das Publikum bestand aus einer ebenso bunten Mischung wie es der Stilmix der Band erwarten liess. So wurden neben Punks, Althippies und eher

M.A.S.S.

M.A.S.S.

unauffälligeren Leuten auch einige bekannte “schwarze” Gesichter bemerkt.

Gegen 21:30 Uhr betrat der Support-act “M.A.S.S.” die Bühne. Mit der “klassischen” Rock-Besetzung aus Schlagzeug, Bass, Gitarre und Gesang produzierten “M.A.S.S.” einen satten und dichten Sound und die überzeugende Stimme der Sängerin trug das Ihre dazu bei, dass der “Schrammelrock” der Amerikaner beim Publikum doch für einige Stimmung sorgte. Lediglich einige Soundprobleme und das etwas überambitioniert wirkende Auftreten der Sängerin könnte als leichtes Manko gewertet werden. Insgesamt aber ein ansprechender Auftritt. Nach gut 30 Minuten verließen “M.A.S.S.” die Bühne, um Platz für die “Dresden Dolls” zu machen.

22:15 Uhr war es dann endlich so weit und Amanda Palmer (Piano, Gesang und Ausstrahlung) und Brian Viglione (Schlagzeug, Gitarre, Pausenclown und sonstige Unterhaltungsbeiträge) betraten die Bühne. Innerhalb kürzester Zeit gelang es den beiden durch ihren völlig eigenständigen und überzeugenden Sound, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Die eigenwillige und dennoch sehr eingängige Mischung aus 1920er-Jahre-Cabarett, Rock und Punk bot ein völlig neues und faszinierendes Hörerlebnis. So bezeichnet die Band selbst auch ihre Musik als “Brechtian Punk Cabarett”. Fast zwangsläufig war die Stimmung auch schon ab dem zweiten Lied (dem Clubhit “Girl Anachronism”) am überkochen.

Selbst Skeptiker unter den Zuschauern (neben uns zwei Gewinnerinnen aus einer Verlosung beim Radiosender M 94,5 zum Beispiel, die überhaupt nicht wussten, was auf sei zukommen würde) waren schnell überzeugt. Alles passte. Die ausdrucksstarke

Dresden Dolls

Dresden Dolls

Stimme Amandas ebenso wie das satte und volle Piano und nicht zuletzt das perfekte Schlagzeug Brians. Selten hatte ich auf einem Konzert den Eindruck, dass die “Chemie” innerhalb einer Band so hervorragend stimmt.

Nach den Stücken des kompletten ersten Studioalbums, deren Höhepunkt durch das wunderbar originelle “Coin operated boy” gebildet wurde präsentierten Amanda und Brian noch einiges an neuem Material, wodurch Erwartungen auf das voraussichtlich im kommenden Winter erscheinende zweite Studioalbum geweckt wurden!

Interessant auch, dass bedingt durch das gekonnte und geradlinige Arrangement der Songs kein Bruch entstand, als gegen Ende des Auftritts im direkten Wechsel Rock-Klassiker von Deep-Purple und Chansons aus der Feder Kurt Weills gecovert wurden. Das alles wurde mit einem stets spürbaren subtilen Humor und gleichzeitig großer Ernsthaftigkeit und Liebe zum Detail vorgetragen.

So wunderte es auch nicht im geringsten, dass die Zuschauer mit einem Zugabenblock nicht zufrieden gestellt waren und von den Dolls ein zweites Mal “nachgelegt” werden musste.

Nach annähernd zwei Stunden grossartiger Unterhaltung verliessen Amanda und Brian dann offensichtlich völlig verausgabt aber hoch zufrieden mit dem Ergebnis ihrer Mühen die Bühne und ebenso verausgabte und zufriedene Zuschauer das Atomic Cafe.

Infos zur Band, Bilder, Videos und hörproben gibt es unter: www.dresdendolls.com

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