von Daniela Mühlbauer

Blutengel-Chef Chris Pohl über Festivals, Fans und Vorurteile

„Ich bin absolut kein böser Junge!“

Das Franken-Schwarz-Festival lockte am 6. Mai Wave-Gothic-Fansaus Deutschland und dem benachbarten Ausland nach Hof. Denn der Headliner ist in diesem Jahr nur selten zu sehen: Blutengel. Wir haben mit Chris Pohl, dem kreativen Kopf der Band, über Festivals, Fans und Vorurteile geplaudert. Blutengel machen sich in diesem Jahr relativ rar auf der Bühne…
Ja, das stimmt. Wir spielen noch in Berlin, im Mai in Hof und Görlitz und im August beim M’era Luna-Festival in Hildesheim.

Daniela: Woher rührt diese Scheu?

Chris Pohl:Wir waren 2005 groß auf Tour und haben auch eine Festival-Tour gemacht. Danach haben wir nicht viel Neues herausgebracht. Deshalb spielen Blutengel 2006 so gut wie gar nicht. Klar, gute Gelegenheiten werden wahrgenommen.

Daniela: Da werden die Fans aber traurig sein!

Chris Pohl: Sicher, die Fans wollen mehr sehen. Vielleicht ist es auch eine etwas doofe Einstellung, wenn wir sagen: „Wir haben keine neue Platte, also gehen wir auch nicht auf Tour!“ Aber Priorität hat erst einmal das neue Album meiner anderen Band Terminal Choice. Da sind wir mächtig am Arbeiten.

Daniela: Wann kommt die Platte?

Chris Pohl: „New born enemies“ wird im Juli erscheinen. Und dann gehen wir mit Terminal Choice von September bis Dezember auf Tour. Mit Blutengel machen wir dieses Jahr echt nur ausgewählte Sachen.

Daniela: So wie das Franken-Schwarz-Festival in Hof!

Chris Pohl: Genau !

Daniela: Wieso spielt ihr überhaupt auf diesem relativ kleinen Festival? Immerhin füllt ihr sonst die großen Hallen.

Chris Pohl: Wir haben den Veranstalter vom Franken-Schwarz 2005 in Hildesheim getroffen und über das Festival in Hof geredet. Ich fand die Idee gut und das Line-up klasse. Also spielen wir in Hof!

Daniela: Du warst 2003 schon mal mit Terminal Choice hier.

Chris Pohl: Echt? Oh Mann, daran kann ich mich gar nicht mehr erinnern…

Daniela: Lass uns noch mal auf 2005 zurückblicken: Blutengel haben neben Platte und EP auch eine eigene DVD herausgebracht.

Chris Pohl: Ja, die ist sogar in die deutschen Album-Charts gekommen. Das hat uns echt überrascht!

Daniela: Und ein Buch über dich ist auch erschienen. War es für dich an der Zeit, deine Memoiren zu schreiben?

Chris Pohl: Nein, gar nicht! Das Buch war seit 2003 in Arbeit, aber es ist keine Biografie oder so. Da sind Interviews und Storys drin aus allen möglichen Epochen meiner musikalischen Laufbahn. Auch Steckbriefe von Bandmitgliedern, ein Interview mit meinen Eltern – und auch Kinderfotos von mir!

Daniela: Wie fühlt man sich, wenn man ein ganzes Buch mit seiner Person füllen kann?

Chris Pohl: Gut! Es ist eine super Ehre und ich finde das echt cool. Klar gibt es Leute, die sagen: „Ist der Pohl jetzt völlig verrückt geworden? Muss er jetzt schon ein Buch schreiben?“. Aber alles in allem ist das sehr gut gelaufen. Es ist ein Buch für die Fans, weil sie darin Informationen finden, die sie sonst nicht kriegen.

Daniela: Im Herbst 2005 hat Eva Blutengel verlassen, dafür kam Ulrike hinzu. Wie hat sich die neue Formation bewährt?

Chris Pohl: Sehr gut. Das war eine echte Steigerung und die Fans haben Uli gut aufgenommen! Klar ist der Austausch eines Band-Mitgliedes immer schwierig. Jeder Fan hat seinen eigenen Favoriten bei Blutengel. Wenn man da einen rausreißt, dann ist das nicht immer leicht – aber Uli hat echt was drauf und das merken die Leute!

Daniela: In eurem Forum ist zu lesen, dass sogar Fans aus Österreich zum Konzert nach Hof kommen…

Chris Pohl: Ja, wir haben eine treue Fangemeinde. Ich bin immer überrascht, dass die Leute sogar aus England, Belgien, Holland oder der Schweiz zu unseren Konzerten nach Deutschland kommen.

Daniela: Mal ehrlich: Wie gehst du damit um, dass du eine derartige Magnetwirkung auf die Fans ausübst?

Chris Pohl: Gute Frage. Es ist schwer, damit umzugehen. Klar, man freut sich, wenn man auf den Konzerten bekannte Gesichter sieht oder weiß, die Leute kommen von sehr weit her, weil sie dich unbedingt sehen wollen. Da fühlt man sich geehrt.

Daniela: Macht das auch Angst?

Chris Pohl: Häufig sogar.

Daniela: Nämlich wann?

Chris Pohl: Ein Beispiel: Ich bin ein Typ, der die E-Mails der Fans gerne persönlich beantwortet. Da schreiben manche so was wie: „Mein Freund liegt schwerkrank im Krankenhaus und möchte dich noch ein letztes Mal sehen…“ Da wird man sich plötzlich wieder seiner Verantwortung bewusst. Das macht mir zeitweise Sorgen. Die Leute geben in den E-Mails so viel von sich preis. Hinter jedem Fan steckt eine Geschichte. Das finde ich spannend, habe manchmal aber ein schlechtes Gewissen, wenn nur sehr kurz oder gar nicht antworten kann. Doch es ist auch gefährlich, zum Beispiel, wenn man so flehende Briefe erhält. Da muss man seine Professionalität wahren.

Daniela: Du hast drei Bands, bist seit fünf Jahren auch Produzent: Wie sieht dein Tagesablauf aus? Machst du die Nächte durch und kommst vor Mittag nicht aus dem Bett?

Chris Pohl: Das mit den Nächten stimmt, aber ich bin jeden Morgen spätestens um zehn Uhr im Studio. Ich habe ein eigenes Label mit Onlineshop, muss das Studio führen… Da gehen die ersten zwei, drei Stunden für Bürokram drauf. Dann geht es ans Musikmachen mit open end. Ich habe noch nie in meinem Leben so viel gearbeitet wie jetzt, da ich selbstständig bin.

Daniela: Manche bringen Blutengel mit Satanismus oder Okkultismus in Verbindung, wie stehst du dazu?

Chris Pohl: Davon möchte ich mich eindeutig distanzieren! Das ist nicht mein Ding. Ich halte nichts von jeder Form von Fanatismus. Wer sich mit Blutengel beschäftigt, wird feststellen, dass ich das Thema auch in meinen Texten immer wieder verarbeite und in Frage stelle.

Daniela: Bist du religiös erzogen?

Chris Pohl: Ja, ich wurde streng christlich erzogen und habe auch konfirmiert. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass ich meinen eigenen Weg gehen muss. Ich lege keinen Wert auf Religion.

Daniela: Bist du ein böser Junge?

Chris Pohl: Absolut nicht. Ich bin viel zu nett – manchmal!

4 Antworten auf Interview mit Chris Pohl

  • Tonje sagt:

    Schade, dass ich nie in der Lage zu sehen, sie live zu sein.Aber ich liebe Blutengel.
    Sorry bad Germany i am from Norway. :I

  • Schwarze Rose sagt:

    Ich kann Chis sehr gut verstehen. Es ist nicht leicht immer im Rampenlicht zu stehen. Man hat keine Privatsphäre mehr.
    Aber seine Songs die er bring sind so super. Man sollte auch sich die Songs zwischen den Zeilen anhören. Mir persönlich bringen seine Lieder sehr viel. Sie geben mir Kraft und auch Mut mein Leben zu leben. Auch die Musik dazu passt wie die Faust aufs Auge.
    Ich kann nur sagen……weiter so.
    Aber er soll sich nicht zu sehr übernehmen mit der Arbeit. Wir brauchen Ihn noch lange 😉

  • Marry-Yasmin sagt:

    Hallo Chris Pohl deine musik ist echt cool also das neue album
    Sing ihr seid die geilste band aller zeiten deswegen mag ich auch
    Dich Chris Pohl ich liebe dich forever O:-) I LOVE YOU ! Chris Pohl du bist echt soooooooooooo süß und echt cool .

  • Günter Herrmann sagt:

    Hallo Chris,
    obwohl das Interview nun schon älter ist, bin ich trotzdem überzeugt von Deiner offenen Art. Es macht einfach Spaß, etwas aus Deinem Leben und Alltag zu erfahren. Deine Gedanken und auch Ängste kann man gut nachvollziehen. Bin froh, dass es BlutEngel gibt, die anderen Projekte, wie Terminal Choice sind ja nun erst mal vom Tisch, was aber auch schade ist. Denn TC war echt ’ne geile Truppe. Dankeschön. Musste auch mal gesagt werden. Viel Spaß bei Deiner Arbeit und Erfolg, das gönne ich Dir von Herzen. Gruß aus Baden – Württemberg, wo Du ja so selten hin kommst.

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