von Daniela Mühlbauer

Irgendwo zwischen G-Punkt und Prostata

Wie platt tiefsinnige Texte daherkommen können und wie tiefsinnig absoluter Blödsinn klingen kann, das zeigen uns Knorkator mit dem Nächsten Album aller Zeiten, das im Plattenregal eines jeden Kunstfreundes mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit nicht fehlen darf.

Humor zu verstehen und ein gewisses Maß an Kraftausdrücken locker wegzustecken, das sind

Knorkator

Knorkator - Das nächste Album aller Zeiten

Grundbedingungen, will man sich Knorkators Nächstes Album aller Zeiten zu Gemüte führen. Nun zeichnet sich der gemeine Freund alternativer Lebensformen ja nicht gerade durch Funken gleißende Lebensfreude aus. Aber Spaß, ja, den verstehen wir durchaus. Und so ein paar Kraftausdrücke bringen uns auch nicht um. Will man Knorkator verstehen, sollte man aber lieber zwei Mal hinhören. Drei Mal schadet auch nicht. Und wenn es dann Klick macht, hat man das Prinzip der Band verstanden. Vielleicht.

Das nächste Album aller Zeiten wartet mit einer stilistischen Vielfalt auf, die ebenso überrascht, wie die instrumentelle und sangestechnische Umsetzung derselben. Mal röhrt es aus den Speakern, dass die Wände wackeln, mal tönt es sanft und fast schon schmusig. Immer jedoch beweisen die Jungs ein gutes Händchen bei den Arrangements, sodass kein Song irgendwie aufgedrückt wirkt – egal, ob brüllend oder säuselnd.

Der Opener Alter Mann ist eine Ode an die Gelassenheit eines Pensionärs.

Tracklist:

1. Alter Mann
2. Du bist so still
3. Lied vom Pferd
4. Wir werden alle sterben
5. Nur mal angenommen
6. Eigentum
7. Für meine Fans
8. GV
9. Geld
10. Franz Hose
11. Symphonische Dichtung

Der ist nämlich froh, nicht mehr auf der Suche nach einem Partner sein zu müssen, weil: „Ich hab eh nicht mehr lange!“. Was für ein sympathischer Alter! Der zweite Song heißt Du bist so still und ist eigentlich ein Liebeslied, auch wenn es nicht sofort den Anschein erweckt.

Beim Lied vom Pferd muss man vor seinem geistigen Auge zur Vorstellung gelangen, Sänger Stumpen sei ein Mädchen und in Gäule vernarrt. Das ist zugegebenermaßen etwas schwierig, aber mit viel Gutwill durchaus machbar. Bei Wir werden alle sterben heult sich ein Musiker aus, der den Zenit seiner Karriere bereits überschritten hat und ein Comeback mittels eines
eingängigen Popsongs herbeifleht. Und Nur mal angenommen ist Knorkators Reise ins Ich, deren tieferen Sinn man nicht unbedingt verstehen muss. Das Lied Eigentum beschreibt die Anhängigkeit der Menschen vom Materiellen und dass ein gewisser finanzieller Status krank machen kann. Hier lohnt es sich, auch zwischen den Worten hinzuhören.

Für meine Fans nimmt das Star- und Fans-Sein spöttisch auf die Schippe „… ich schäme mich für meine Fans…“, sehr schön! GV bewegt sich thematisch irgendwo zwischen G-Punkt und Prostata; Knorkator masturbieren laut schreiend, während Trommelwirbel erschallt – natürlich nur im übertragenen Sinne! Und wer jetzt errät, wofür GV steht, dem sei im Namen des gesamten Teams recht herzlich gratuliert!

Bei Geld geht’s ums Geld, beziehungsweise darum, immer das gerüttelt’ Maß zu finden. Ein leises Stück mit tiefem Sinn.

Das Lied, das den beizeichnenden Namen Franz Hose trägt, verstehe ich leider nicht, da sich mein Französisch nur aufs Nötigste beschränkt. Und zum Schluss lässt die Symphonische Dichtung ein exaltiertes Album stimmungsvoll ausklingen…

Abschließend bleibt anzumerken: So konsterniert ich bei den ersten Tönen des nächsten Albums aller Zeiten war, so lustig trällere ich nun, da ich mich intensiv mit dem großen Werk auseinander gesetzt habe, die eine und auch andere Textpassage mit. Wobei ich die Schimpfwörter und die Passagen, die sich ein- und auch zweideutig schlüpfrigen Inhalts erwiesen, selbstverständlich auslasse…

Anspieltipps:
Geld
Lied vom Pferd
Für meine Fans

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