von Frauke

Willkommen, meine Kinder
– kommt her und seht…

Diesem Aufruf kommen wir doch gerne nach, wenn uns schon die ehemals als Lucilectric bekannt gewordene Luci van Org mit Ihrer Unheilsarmee „Übermutter“ am 26.2.2008 nach Augsburg in die RoFa einlädt.
Als Vorband von L’âme immortelle, die zur Zeit auf Deutschlandtour Ihr neues Album „Namenlos“ (released am 25. Januar 2008) vorstellen, brennen sich Übermutter „Hart aber Gerecht“ in die Köpfe der Zuschauer und Hörer. Aber vielleicht von vorne und nach der Reihe:

Als letztes Konzert der 7 Stationen umfassenden Tour gaben sich L’âme immortelle in Augsburg die Ehre. Mit im Gepäck hatten die Österreicher neben der schon erwähnten „Übermutter“ auch die Münchner Boygroup 😉 „Beyond the Void“, die dann auch um kurz nach 20 Uhr den Auftakt für einen super Abend bildeten. Obwohl Dienstag, war die Halle doch mehr als gut besucht und entsprechend war auch die Stimmung von Anfang an sehr genial.

Hat das letzte Album von Beyond the Void „I am your ruin“ noch eine sehr gute Mischung aus reißendem Rock und packenden Gothic vereint, so bietet Ihr neues Werk „Gloom is a trip for Two“ eine Gothic-Metal-Reise durch die Verführungen und Abgründe der Nacht. Neben der gewohnten Qualität hatte mich das Album im Vorfeld doch von einer neuen Schwere und einer gewissen Düsternis beeindruckt, allerdings muss ich sagen, dass die entsprechende live- Darbietung doch ein wenig zu wünschen übrig ließ. Jungs – Ihr könnt doch mehr!? Neben Songs aus Ihrem neuen Album, wie zum Beispiel „Seductora“ (auch als Maxi veröffentlich am 1. Februar 2008) kamen natürlich auch noch einige ältere Stücke zum Tragen, aber leider haben es die 6 nicht geschafft, dem Publikum neben einem eher verhaltenden Applaus mehr „abzuluchsen“.

Diesem Job kamen dann ab 21 Uhr die Mitglieder der Unheilsarmee „Übermutter“ nach. Übermutter ist ein Projekt von Luci van Org und Europas bestem Gitarristen Michael Brettner (O-Ton!!), die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Welt vom Unheil zu befreien (dazu näheres im Live-Interview)!! Wem vielleicht neben Lucilectric auch Bandprojekte wie das „Haus von Luci“ was sagen, der weiß schon, dass Luci van Org äußerst brachialische Texte produziert und keinen Hehl aus Ihrer Meinung macht – im Gegenteil diese eigentlich sehr gerne in die weite Welt hinausposaunt. Tagsüber gerne als erfolgreiche Musikerin, Schauspielerin, Moderatorin und Autorin (ja, ja, Luci schreibt auch Bücher wie z.B. „Der Tod wohnt nebenan“) unterwegs, verwandelt sie sich nachts in eine Ikone der lüsternden Welt in der „Liebe Schmerz bedeutet und Erniedrigung Befriedigung“. Ausgestattet mit den entsprechenden Uniformen – natürlich, wie es sich stilecht gehört, mit den entsprechenden Lackkorsetts darüber – zelebriert Luci mit Ihren 3 Mädels an der Gitarre, am Bass und am Schlagzeug als verwandelte Unheilige Ihren FeMetal – unterstützt durch Michael Brettner als Büßer für die Männerwelt an der Gitarre. Zu Beginn der äußerst außergewöhnlichen Darbietung sah man im Publikum doch noch einige verwunderte Gesichter – kaum jemand konnte sich im Vorfeld was zu Übermutter vorstellen. Aber mit Beginn Ihres ersten Songs „Mäedchen TeilZwo“, womit indirekt an vergangenen Zeiten des Lucilectric-Mädchens angeknüpft wurde, waren sämtliche Zuschauer voll in den Bann der Unheilsarmee geraten. Textpassagen, wie „… kriech ins jede Eck – es soll blitzen wie geleckt“ aus dem zweiten Song „Heim und Herd“ lassen auch den geneigten „Nicht Konzertbesucher“ erahnen, wie sich der Auftritt von Übermutter gestaltete. Die Verwendung der Schiesser-Feinripp Unterhose, der Banane sowie ein zur Peitsche umgebautes Mikro wird leider nur den „glücklich Anwesenden“ des Konzertes ein Begriff sein, alle anderen kann ich nur bedauern, sich diesen Abend entgehen haben zu lassen. Gute 4 Wochen muss man sich allerdings auch noch gedulden, dann kommt das Album „Unheil“ endlich in die Läden. UnHeil, Üebermutter! Füehre uns in Versuchung, und erlöese uns von dem Böesen!
Mit ihrem letzten Song „Mutterherz“ verabschiedete sich dann leider Übermutter in die wohlverdiente Kreativpause (nicht ohne, dass der Ruf nach einer Zugabe laut wurde!!) und machte Platz für den Headliner des Abends L’âme immortelle.
Während es im letzten Jahr nach der Tour ziemlich ruhig um die Österreicher wurde und man – nicht zuletzt durch das offline-gehen der Webseite und der „Todesanzeige“ im Orkus – vermuten konnte, dass sich die Gruppe aufgelöst hatte, wurden im Laufe von 3 Monaten diverse Änderungen auf der Website vorgenommen und mit dem Zusatz „Namenlos“ ergänzt. Des Rätsels Lösung war, dass L’âme Immortelle am 25. Januar 2008 ihr neues Album „Namenlos“ veröffentlicht hat, mit dem die Gruppe auch schon 3 Wochen nach Erscheinen Ihre Tour mit den beiden genannten Support-Bands startete. Auch wenn ich gestehen muss, dass ich beim Hören des Albums nicht sooo dermaßen angetan war, so hat mich der Auftritt der Band doch absolut vom Gegenteil überzeugt. Natürlich waren mit „Fallen Angel“ und „Phoenix“ auch Stücke der älteren Alben dabei, aber live sind Songs wie „1000 Voices“ (irgendwie hatte ich das Grölen von Thomas auch vermisst) oder „Requiem“ als super geiles Duett zwischen Thomas und Sonja absolut genial. Mit der Mischung aus melodiösem Elektro, emotionalen Melodien, verzerrten Vocals und der außergewöhnlichen Stimme der Sängerin präsentierten sich L’âme Immortelle wieder ein wenig „back to the roots“ und wie ich finde, zurück zu ihrem eigentlichen Stil, der sicherlich so manchem Fan gefehlt hat. Entsprechend stimmungsvoll mitreißend war dann auch ihr Auftritt, der jeden Zuschauer genau dort abgeholt hat, wo er war – egal ob Fan oder nicht. Selbst die doch sehr emotionalen und eher düster/traurig ausgelegten Texte, die mir auch beim Hören des Albums vorher doch ein wenig „too much“ waren, kamen live gar nicht mehr so dramatisch rüber und die Stücke animierten doch eher zum Tanzen als zur Depri-Stimmung. Insgesamt kann man also festhalten, dass es ein wirklich super gelungener Abend war, in dem wir eine geniale neue Band namens Übermutter kennen lernen durften und die Woche mit einem tollen Dienstag Abend absolut gerettet war! Bleibt nur noch eins zu sagen: Willkommen meine Kinder – und seht, was da in nächster Zeit so komme!

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