von Schwarzeheike

Die blaue oder die rote Pille?

Was will der Fan mehr? Kaum ist die neue Platte der norwegischen Musiker Apoptygma Berzerk im Handel, kann man sich auch schon vom neuen Sound live und in Farbe überzeugen. Und kaum hatten wir erfahren, dass APB im Backstage auftreten würde, malten wir uns den Termin dick in blau und rot an – passend zum Cover der Ende Januar erschienen CD „Rocket Sience“.

Apoptygma Berzerk

Apoptygma Berzerk

Den Beginn dieses Konzertabends allerdings bestritten die Rocker „The Anix“ aus dem sonnigen US-Staat California. Weit über ihren Kontinent und den Ozean waren sie gereist, um uns zu zeigen, dass die USA noch Schätze birgt, die gefunden werden wollen. Sie selbst bezeichnen ihre Musik als eine Mischung aus Alternative, New Wave und Electronic, was die Sache ganz gut trifft. Ohne Probleme reihen sich daher auch Cover von Bands wie „Filter“ zwischen das eigene Werk. Trotz ihrer (noch) geringen Bekanntheit schafften sie es vor allem mit der sehr markanten, immer ein wenig dramatisch leidend klingenden Stimme von Sänger Brandon, das Publikum ein wenig mitzureißen. Selbst ich war nach dem Konzert froh, mir den ein oder anderen Titel gemerkt zu haben, denn diese waren teilweise wirklich genial arangiert und dargeboten. Besonders zu empfehlen: „Half The World Away“ oder „Don’t Save Your Breath“, die man auf ihrem dritten Album „Demolition City“ hören kann. Und ein kleines Zuckerl hatten die New Metaller aus L.A. auch noch zu bieten. Sie ermöglichten bei einem ihrer Songs ihrem deutschen Fan Thomas einen Gastauftritt. Und dieser spielte auf seiner E-Gitarre mit, als ob er es schon immer getan hätte. Fazit: definitiv kein rotes Tuch, sondern wärmstens zu empfehlen! Ich vergebe 4 von 5 blauen Pillen.

Apoptygma Berzerk

Apoptygma Berzerk

Dass auch der Headliner keine roten Pillen von mir bekommt, stand ja schon vorher fest. Doch wie viele blaue Kapseln würden es werden? Nun, der Empfang war extrem herzlich und auch heftig. Und angespornt von einer relativ vollen Halle spielten sich APB auch sofort warm. Sänger Stephan L. Groth badete schon beim zweiten Song im eigenen Schweiß und auch bei Gitarrist Angel und Geir Bratland an den Keyboards glänzten schon bald nicht nur die Augen. Mit „Apollo“ entführten sie uns auch gleich in die Gefilde ihres neuem Albums. Doch was wäre eine Band ohne ihre schon gefeierten Hits, ihre Evergreens, ohne die Songs, für die die Fans auch hunderte von Kilometern fahren? Und so fanden auch „Kathy’s Song“, „In This Together“, „Shine On“; „Deep Red“, „Love Never Dies“ und einige andere aus fast 20 Jahren Repertoire den Weg auf die Bühne des Backstages. Und natürlich durfte auch die gelungene Mischung aus tanzbaren Elektro-Klängen und wiegenden Schmuse- und Anlehnsongs nicht fehlen. Stephan Groth, der sein gesamtes Leben der Musik und seiner Band widmet, zeigte uns in München, dass man auch nach den Strapazen einer langen Tour (München war schon fast das Ende) mit Energie und Kraft ein Konzert zu einem Musik-Feuerwerk machen kann. Und so gab es an jenem Sonntag einige Zugaben. Nett auch hier: Tom, der „deutsche Fan“, durfte auch hier wieder sein Können unter Beweis stellen.

Und die Schlussfolgerung: man muss sich gar nicht erst auf Weltraumreise begeben, denn das war bereits das blaue vom Himmel. Ich schenke den elektronischen Norwegern die übriggebliebene US-Pille: sechs von fünf blauen Pillen.

22.02.2009 im Backstage

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