von Daniela Mühlbauer

Feiern ist Gold

 Es ist ein Doppelgeburtstag: Zum fünften Mal rüttelt das Festival Mediaval den Selber Goldberg durch und Omnia sind zum fünften Mal mit von der Partie. Zur Feier des Tages schmeißt Steve Sic T-Shirts und signierte CDs ins Publikum. „Wir sind dankbar, dass wir jedes Jahr wiederkommen dürfen“, sagt der Omnia-Frontmann, „deshalb haben wir Geschenke für euch!“ Spricht’s und stimmt zusammen mit Jenny und seiner Band Songs wie „Alive“, „Richard Parker’s Fancy“ und „Toys In The Attic“ an. Die Meute vor der Bühne dankt es den Festival Mediaval Platzhirschen mit einem rauschenden Abschlussfest am Sonntagabend.

Triakel

Triakel

Dass Steve alle Ansagen auf Deutsch „versuchen“ möchte, kommt beim Publikum besonders gut an. Woher die kleine Wendeltreppe in seiner Zunge rühren mag – zwei mögliche Erklärungen liefert er selbst: „Wir sind schon das ganze Wochenende hier und genauso müde und fertig wie du alle.“ Und kurze Zeit später, Steve: „Hey, das Deutsch geht heute Scheiße gut!“ Darauf Jenny: „Das liegt daran, dass du Weizenbier getrunken hast!“

Fakt ist, dass mit Omnia zum fünften Mal in Folge gute Stimmung auf dem Goldberg garantiert ist. Und ob das nun am Weizenbier liegt oder am Gesamtkonzept des Festivals, darf jeder für sich selbst entscheiden.

Der Festival-Freitag beginnt mit Folkrock von Blunt auf der Schloss- und Camerata Pledelinga auf der Burgbühne. Die kürzeste Umbauzeit des Wochenendes benötigen Triakel aus Schweden: Drei Leute, zwei Geigen, ein Harmonium, mehr braucht die Band nicht, um das Publikum in eine sagenhafte Welt zu entführen, in der die Wälder dicht und die Bäume hoch sind, die Seen weit und das Wasser tief. Emma Härdelin singt in ihren Folksongs von Liebenden und Rivalen in Nordschweden, von Festen mit komisch-tragischem Ende und jungen Mädchen, die nach dem Rausch einer Feiernacht allein mit einem Baby dasitzen. Völlig verdient spielen sich Triakel mit ihren minimalistisch begleiteten schwedischen Folksongs in die Herzen der Festivalbesucher und gehören zu den Entdeckungen des Wochenendes! Von der Band mit der kürzesten Umbauzeit zum Mann mit den meisten Artist-Bändchen. Marcus van Langen ist auf dem Festival kaum zu bremsen. Gleich drei Mal entert er an diesem Wochenende die Bühnen, verschiedener Sideprojekte zum Dank. Den Anfang macht er mit Des Teufels Lockvögel, die den Freitags-Headlinerjob auf der Burgbühne haben. Die Schlossbühne bebt danach mit Publikumsliebling Saltatio Mortis.

Stellamara

Stellamara

Nach Fremitus und Heiter bis Folkig gibt es am Samstag auch schon Marcus van Langen Teil II, diesmal in der Formation Schagai. Das ist mongolischer Obertongesang, begleitet von traditionellen Instrumenten. Manchmal wird der abgefahrene Sound von van Langens Stimme bereichert, leider, sagt manch einer im Publikum.

Bereits am Samstagnachmittag bahnt sich ein absoluter Höhepunkt des Festivals an: Mit Stellamara aus den USA betritt eine recht unbekannte Band zum ersten Mal in dieser Formation eine deutsche Festivalbühne. Dabei dürfte Sängerin Sonja Drakulich zumindest einigen Leuten vertraut sein, verstärkt sie doch seit einiger Zeit die Gruppe Faun an Mikrofon und Percussions. Stellamara das ist eine Mischung aus osteuropäischer Folkmusik mit schwerem nahöstlichen Einschlag, Esoterik und Weltmusik verbunden mit elektronischen Klangbildern. Sonjas hypnotischer Gesang wird von fünf Musikern begleitet. Herausragend ist Peter Jaques an der Klarinette (u.a.), der Balkanklänge mit griechischen und türkischen Sound vereint und eine gewaltige Portion Klezmer in seine Interpretationen hineinlegt. Das Konzert von Stellamara gehört zweifelsohne zu den Highlights des Festival Mediaval. Es ist zu hoffen und zu wünschen, dass die Band bald wieder hierzulande zu Gast sein wird.

Übrigens werden sowohl Faun als auch Omnia beim Stellamara-Konzert im Publikum gesichtet. Und mit Faun geht es nach Pampatut, Ballycotton und Shatabdi Groove Express am Abend dann auch gewohnt ausgelassen zur Sache. Fröhlich und heiter präsentieren sich die Vorzeige-Paganfolker aus Süddeutschland, die wie Omnia zum Inventar des Festival Mediaval gehören. Neben Sonja von Stellamara verstärkt der Dresdner Stephan Groth an der Drehleier seit einiger Zeit die Band. Ihm steht die Spielfreude geradezu ins Gesicht geschrieben. Faun spielen ein mitreißendes, Energie geladenes Set, das mit Hits nicht geizt. Und klar ist eine Zugabe drin! Während Versengold als Headliner die Leute vor der kleineren Burgbühne unterhalten, bahnt sich auf vielfachem Wunsch des Publikums mit Schandmaul ein weiterer Leckerbissen auf der Schlossbühne an. Das Konzert ist für die Band etwas ganz Besonderes, denn sowohl Anna als auch Birgit stehen nach kurzer Babypause erstmals wieder auf der Bühne. Die Capella Bardica Mythodeanis beschließt den Festivalsamstag.

Omnia

Omnia

Früh aufstehen lohnt sich, denn die Gewinner des Festival Mediaval Mittelalter-Rock-Awards des vergangen Jahres eröffnen traditionsgemäß den Sonntag auf der Burgbühne: Winterstorm aus Bayreuth werden trotz der frühen Stunde viel beklatscht. Völlig andere Klänge schallen von der Schlossbühne übers Tal und lassen trotz sommerlicher Temperaturen Gänsehautschauer aufkommen. Chor on air, ein Chor aus über 70 Stimmen, stimmt Songs von Nightwish, Subway To Sally und anderen an und zaubert eine fast schon sakrale Stimmung – eine wirklich wunderbare Ergänzung zum Festival-Lineup, die gerne wiederholt werden darf! Wer danach einen Abstecher zur Kleinkunst-Bühne macht, wird Marcus van Langen Teil III gewahr, diesmal ist er solo unterwegs. Dieser aufopferungsvolle Einsatz verdient unsere Achtung und einen Extraapplaus. Mal sehen, ob Herr van Langen seinen selbst aufgestellten Rekord im nächsten Jahr toppen kann. Zuzutrauen ist es ihm.

Nach Lotus Ensemble, Spiritual Seasons und PurPur kommt bei Schelmish etwas Wehmut auf. Es ist der letzte Festivalauftritt der Band vor ihrer Abschiedstour. Doch nach Heulen ist deshalb kaum jemanden, nach Feiern dafür umso mehr. Und so ist das Publikum bei den Headlinern Cradem Aventure und Omnia fertig, durchgeschwitzt, müde, fußlahm, heiser und vor allem sehr sehr glücklich. Denn nicht nur das erstklassige Lineup hat das fünfte Festival Mediaval geadelt, auch die Sonne hat mit den Besuchern um die Wette gegrinst.

Auf Wiedersehen im nächsten Jahr!

Das nächste Festival Mediaval findet vom 6. bis 8. September 2013 in Selb statt.

Infos und Tickets: www.festival-mediaval.com

5 Antworten auf Festival Mediaval

  • robert lesquerade sagt:

    super geschriebener festivalbericht.

  • Naseweis sagt:

    Ich hätte das Wochenende nicht besser beschreiben können.
    Meine Höhepunkte waren Stellamara, Schangai, Faun, Cradem Aventure – waren so gut wie noch nei und Omnia.
    Es war wirklich ein besonderes Festival – Danke !!!

  • Heidi sagt:

    Ein wirklich gelungener Bericht. Ich schließe mich meinen „Vorschreibern“ an. Wir werden von diesem Wochenende wieder ein ganzes Jahr zehren und sind gespannt, welche Künstler wir uns im nächsten Jahr ansehen dürfen. Auf keinen Fall aber sollten FAUN und OMNIA fehlen – sonst würde echt etwas fehlen. Wünschenswert als abendlicher Paukenschlag – sozusagen – wäre ein Auftritt von WARDRUNA, die auch schon das Vorabendkonzert des Castlefestes in Lisse/NL bestritten und für viel Gänsehaut gesorgt haben. Diese Band wäre eine echte Bereicherung und auch mal was Neues für das Festival Mediaval. Mal schauen. Noch einmal: Danke für den tollen Bericht, der einen herrlich in Erinnerungen schwelgen lässt.

  • Tobi sagt:

    Wir waren in Selb. Auf Kritik hat der Veranstalter einfach aufgelegt mit den Worten „Ich habe keine Zeit, mich mit Kunden zu unterhalten!!!“ und hat Kritik in Facebook gelöscht. Für zwei Personen 180 Euro und sich dann auch noch so behandeln zu lassen, so nicht. Die Standbesitzer waren sauer, mit denen ich gesprochen habe, werden wahrscheinlich nächstes mal nicht mehr dabei sein (warum wohl?), von vorbeiziehenden Gästen hat man so manche Enttäuschung gehört. Meine Freundin war beim ersten Festival dabei. Das muss super gewesen sein. Die Bands sind unzweifelhaft genial. Das ist aber nicht der Verdienst des Veranstalters, sondern der Fleiß der Bandmitglieder. Wir werden an Selb künftig keinen Gedanken mehr verschenden. Als Konsument lasse ich mich einfach nicht mehr so verschaukeln. Ich muss mir mein Geld hart verdienen. Das trage ich lieber auf kleinere Feste, z. B. Kloster Adlersberg. Hier konnte man die negative Stimmung über Selb deutlich hören. Wir waren offensichtlich nicht die einzigen, die enttäuscht und verärgert waren.

  • Steinemeister sagt:

    Ach das waren die Herrschaften, die Freitags im Büro anriefen, nachdem sie unsere Marktchefin beschimpft hatten, da es angeblich kein Cola auf dem Mediaval gab (es gab sogar eine Taverne, die Cola anbot), und deswegen ihren Eintritt zurück wollten. Ja für sowas hat die obere Organisationsebene wirklich keine Zeit. In facebook wurde nicht die Kritik gelöscht, sondern nur die eindeutig beleidigenden posts. Komisch, dass alle Marktstände sich für dieses Jarh wieder angemeldet haben und wir sonst keinerlei negative Kritik bekommen haben. Eure Entscheidung, dem Festival in Zukunft fern zu bleiben unterstützen wir vollens, solche Leute brauchen wir nicht auf dem Festival-Mediaval.

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