von Schwarzeheike

„I bin a bayrischer Depp“ 

– das Eisbrecher-Jahresabschlusskonzert 2012

„Finale Dahoam“ nennt Herr Wesselsky das Spektakel, das sich doch tatsächlich mal in München abspielen wird. Da, wo sonst nie irgendwas Tolles stattfindet. Und dann braucht dieses Event auch noch mehr Platz, als beispielsweise ein Backstage es zu bieten hat. Wow. Ich bin beeindruckt, noch bevor es begonnen hat.

Diary of Dreams

Diary of Dreams

A apropos Beginn. Für mich beginnt das Konzert dank Parkplatzeinweisungen erst kurz vor Beendigung des Openers Black Blitz. Dumpfes Gewummer ist nahezu alles, was sich unseren Ohren so nähert. Echter Hard Rock aus München. Ein Logo, das an 80er Jahre Metal-Bands wie Black Sabbath oder ähnliche erinnert. Cool. Und der Running Gag ist der anspruchsvolle Dialog mit dem Publikum. Black Blitz: „Mir san Black…“ und alle „Blitz!“. Da schlägt so manches Metal-Herz ein wenig höher. Laut Berichten von schon Anwesenden hat es sich wohl auch im Zenith so zugetragen. Schade, da hamma was verpasst…

Aber zu Stahlmann, anmoderiert von keinem Geringeren als Herrn Wesselsky persönlich, da stehe auch ich jetzt bereit. Die Stahlmänner auch. Immer wieder hübsch anzusehen: die silbern schimmernde Haut der Helden auf der Bühne. Meine Gedanken schweifen ein wenig ab: da hätte sich so manch Vampir eine Glitzerscheibe abschneiden können. Die Jungs aus Göttingen sind musikalisch auch ungefähr genauso hart, wie man es dem Standard-Glitzer-Vampir so nachsagt. Coole Gitarren-Riffs, dröhnende Stimme von Frontmann Martin Soer und dann dieses Silber. Und wenn dann noch Songs Titel tragen wie „Hass mich, lieb mich“ oder „Stahlwittchen“, was will das Neue-Deutsche-Härte-Herz mehr? Jetzt mag so mancher sagen, dass der ein oder andere Song klingt, wie schon einmal dagewesen, zum Beispiel „Kaltes Herz“ – irgendwie Rammstein. Oder „Willkommen“. Eher Rammstein? Oder In Extremo? Das Schöne ist, da man sich weder für die einen noch für die anderen entscheiden mag, und so ganz der Vergleich mit den Headlinern und Gastgebern am heutigen Abend auch nicht passt. Haben sich Stahlmann in diesem Gewühl aus ähnlichen Klängen eine Nische für sich geschaffen? Nun, die Fans sind alle dabei. Und der Erfolg seit den ersten großen Auftritten gibt den Silber-Jungs bisher Recht. Und so beginnt mein NDH-Abend sehr angenehm.

Nächste Anmoderation des Alex W. Alte Hasen machen nun auf der Bühne weiter. Diary Of Dreams. Keine Angst, nun folgt keine Liebeserklärung an Adrian Hates Haare. Obwohl… er sieht halt einfach sexy aus. Mit diesen Haaren. Und vielleicht ist es auch seine Stimme. Schön düster erzählt er uns von einem „Giftraum“ – und seit langem mal wieder nicht akustisch, sondern, um Herrn Wesselsky zu zitieren: mit Strom! Und nach so viel Unplugged bin ich mir einen Moment lang nicht sicher, ob Diary Of Dreams ihre elektronisch verstärkte Zeit hinter sich haben. Sie wirken kurzzeitig etwas unmotiviert. Oder sind das noch die Stahlmann-Nachwirkungen? Mal was zum Runterkommen, bevor es nachher so richtig weitergeht?

Eisbrecher

Eisbrecher

Vielleicht bin ich vom letzten Album „Anatomy Of Silence“ auch etwas zu sehr beeinflusst. Aber Herr Hates taut während seiner düster schaurigen Songs langsam auf. Bewegt sich zusammen mit seiner Live-Crew auf der Bühne. Am besten gefällt mir definitiv der Herr am Keyboard. Obwohl ich bei seinen akrobatischen Übungen Angst habe, dass er sich noch den Arm auskugelt. Nichts desto trotz kommen so auch die etwas gruftiger angehauchten Zuschauer auf ihre Kosten. Und ich beschließe, mal wieder die „normalen“ Diary-Alben hervor zu kramen.

Umbau. Diesmal etwas länger. Mittlerweile ist es viertel vor zehn. Immerhin schon seit 19 Uhr läuft unser Abendprogramm. Und langweilig ist es bisher wirklich nicht. 5000 Zuschauer sollen da sein. 7000 würden hinein passen. Gute Leistung. Die einzigen, die ein wenig zu knapp kalkuliert haben, die Merchandiser. Nach jahrelanger Eisbrecher-Treue (ich kann mich noch gut an das Eisbrecher-Debüt als Vorgruppe zu In Extremo erinnern) habe ich nun wirklich mal vor, mir ein Tour-Shirt zu kaufen. Und was ist? Nur noch XXL da. Bisher mein einziger Kritikpunkt. Nun ja, Essbares gibt es hier auch nicht gerade viel. Also begnüge ich mich mit dem Gedanken, dass der Alex das alles schon richten wird. Ablenkung auf Münchnerisch.

Und das Schöne ist: schon mit den ersten Klängen und den ersten Worten bin ich gebannt (die Worte „ist das Eis gebrochen“ spare ich mir an dieser Stelle). Und dann geht es zackig durch mittlerweile 8 Jahre Eisbrecher-Kult. Angefangen mit „Kinder des Lichts“ als eine Art Willkommensgruß geht es weiter über leckere Songs wie „Antikörper“, „Sünde“ und der Klassiker „Leider“. Und wenn man sich den Bühnenaufbau so ansieht: es wird alles immer ein bisschen größer und professioneller. Ein zweistöckiger Aufbau mit Silberbeschlag. Schon zu Beginn gibt es Papierschnipsel aus Kanonen und natürlich beginnt wie auf jedem Eisbrecher-Konzert ein langsames Entkleiden des Alex W. Zuerst des Mützerl, dann des Jackerl, Hochkrempeln der Hemdsärmel und schließlich die schwarzen Handschuh’… Zum Anbeißen!

Eisbrecher

Eisbrecher

Aber auch sonst fange ich schon wieder an, an Rammstein zu denken. „Amok“ spielen die Jungs richtig cool mit zu Trommeln umfunktionierten Blechtonnen. Richtig gut anzusehen: vier trommeln synchron und einer singt. Und dann noch die tollen Nebelgebläse. Wann hebt der Alex ab? frage ich mich. Aber ein bodenständiger Bayer hebt ned ab, der setzt sich mit seinem Kollegen Jürgen an die Akustikgitarre und fängt an, deutsche Schlager zum Besten zu geben. Und damit nicht genug: mit „Mia san a Bayrische Bänd“ hat er schließlich auch die Missmutigsten im Publikum zum Lachen und Mitsingen gebracht. Nach dem Motto: Was der Graf kann, das können wir schon lang! In diesem Zusammenhang entsteht auch der Satz, den ich (pure Ironie) als Titel gewählt habe.

Was gibt es noch vom Eisbrecher zu berichten? Im Prinzip fast zwei Stunden Spitzen-Entertainment. Denn wenn er eines kann, der Alex, dann ist es selbstironisch zu unterhalten. „Schwarze Witwe“ wird selbstzerstörerisch im Publikum gesungen, und auch Songs wie „Vergiss mein nicht“, gesanglich unterstützt von Conny und Trina, laden immer wieder zum Mitsingen ein. Highlight zum Ende ist die heimliche neue deutsche Hymne „This Is Deutsch“. Mit Gamsbarthüten, bayrischer Flagge, grünem Wams und einer Menge Selbstironie geht dieses Spektakel dann langsam zu Ende. Da kann man nur sagen: Macht doch nächstes Jahr wieder so ein nettes Heim-Event!

Ach ja, ich vergaß: „Miststück“ ist ja heimgekehrt und hat vorerst die Zugabe beenden sollen. Mit Publikumshilfe und einer netten Sprecheinlage á la Falko von Herrn Wesselsky. Für mich hätte es nun auch vorbei sein können. War ja auch bisher immer so. Aber was wäre ein „Finale Dahoam“ ohne ein Zuckerl? Und das gab es dann. Und irgendwie war dieser letzte Song auch eine Art Motto:

Die Hölle muss warten…

 

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