Ein Besuch der Verfallen, Folge1: Astoria-Tour im Backstage

von Schwarzeheike

Ein Freitag Abend in München. Und dann auch noch die Qual der Wahl haben: Omph, die gerade ein neues Album herausgebracht haben (vor allem nachdem Dero angeblich Gesangsunterricht genommen haben soll)? Oder doch zu ASP, die in diesem Jahr ihr mittlerweile 8. Studioalbum produziert haben mit dem verheißungsvollen Namen „Verfallen Folge 1: Astoria“?

Spielbann

Spielbann

Im Anbetracht dessen, dass ASP eigentlich immer sich und seiner Szene treu geblieben ist und auch dass man sich sicher auch neben neuen Liedern auf eine Menge alter musikalischer Klassiker freuen darf, wählen wir ohne zu zögern ASP.

Die Schlange vor dem Backstage ist nicht ohne. Beim Anstehen frage ich mich, wie denn die ganzen Leute in die verhältnismäßig kleine Halle passen sollen. Geht es anscheinend vielen so wie mir? Lieber klassische „Grufti-Musik“ anstatt Möchtegern-Rockstars? Sieht so aus. Zumindest wird es nicht kalt werden in der Halle.

Drinnen angekommen haben schon „Spielbann“ aus dem schönen Saarland das Mikrofon ergriffen und erfreuen uns mit ASP-ähnlichen Klängen und einer weiblichen Stimme, die mich stark an Frau Kraushofer erinnert. Die haben Potential, die Saarländer.

Passend zum Herbst haben Spielbann in diesem Jahr ihr Album „In Gedenken“ veröffentlicht, das vom Orkus sogar im Oktober zum Album des Monats gekürt wurde. Was mir gefällt, ist der Zwiegesang zwischen Sängerin Nic und Sänger Seb. Sie: sehr lieblich und gefühlvoll. Er: düster und ein wenig Endzeitstimmung verbreitend. Dazu noch 3 weitere dunkle Herren (Lias, Spyke und Pi) zur Komplettierung. Und ganz ehrlich, welcher dunkel angehauchte Hörer verfällt nicht in Sehnsucht, wenn Titel wie „Haus des Vergessens“ oder „gefrorenes Blut“ locken? Und das Publikum war sich recht einig, dass die fünf aus der Bühne gar nicht übel waren. Auf Sebs Aufruf „Gib mir ein Spiel…!“ antwortet das Auditorium laut und deutlich „BANN!“ Ich denke, wir werden in Zukunft noch öfter von Spielbann hören.

ASP

ASP

Doch der wahre Grund, warum alle in dieser Halle hier sind, ist ASP. Oder Asp? Ich denke es ist Herr Asp persönlich, den alle hier sehen und hören wollen. Denn wer sonst schafft es schon, Minutenlangen Applaus zu bekommen, noch bevor das erste Wort gesagt oder gesungen wurde? Das Publikum jubelt und dieser Jubel mag gar kein Ende mehr nehmen. Das ist schon zu Beginn fast berauschend. Verfallen, so heißt die neue Reihe an CDs, die ASP ihrem Publikum nahebringen möchte. ASPs Besonderheit schon seit ihrem Anbeginn: CDs in Form von Erzählungen, von Geschichten, die Fortsetzungen haben. Nach Stories rund um schwarze Schmetterlinge und Zaubererbrüder folgt nun eine neue Reihe. Das verfallene Hotel Astoria bildet die Kulisse der ersten Folge. Und wie gewohnt gibt es ein stimmliches und musikalisches Feuerwerk rund um die Geschichten.

Und live? Da legt Herr Asp noch einen drauf. Die Songs – da braucht man eigentlich nichts mehr zu schreiben. Gut wie immer, und die Klassiker dürfen nicht zu kurz kommen, das Volk verlangt danach und Asp gibt ihm, was es möchte. Neues wird vermischt mit Altem. Ein Ohrenschmaus! Was aber fast noch mehr zählt, ist Herr Asp persönlich. Mit der immer gleichen schwarz-weißen Schminke, seinen schwarzen Klamotten und vor allem seiner lyrischen Art, mit dem Publikum zu reden. Sympathisch: diesmal gibt es kein generelles Filmverbot. Noch sympathischer: mit gewohnt ironischer Art fordert er diejenigen, die das Filmen nicht lassen können, auf, es doch bitte sein zu lassen. Und das auch noch mitten während des ersten Klassikers „Krabat“. Da wünscht man sich doch wirklich, die Leute würden einfach nur genießen und nicht dass, wie drückt er es aus?, nur die Handys Spaß haben. Nun, man kann sich über das Handy-Gefilme streiten. Allerdings, live ist immer noch am Besten. Darum hören wir weiter. Ein wenig Neues, Astoria, ein wenig Altes, „Loreley“, „Und wir tanzten“. Und zwischendrin gibt Herr Asp doch tatsächlich zu, dass auch die Ansprachen zwischendurch geplant sind, weil er sich nicht alles merken könne. Auch das macht ihn irgendwie zum netten Musiker von nebenan. Und so genießen wir Song um Song. Sogar einer zusammen im Duett mit Sängerin Nic von „Spielbann“ mit der netten Ankündigung „Hier stimmt die Chemie“ (das war bestimmt auch vorher notiert…).

ASP

ASP

Und natürlich gibt es Zugaben. Und natürlich bestehen die aus „Ich bin ein wahrer Satan“ (leider auch immer noch im politischen Sinne sehr aktuell) und „Ich will brennen“. Da hält es wirklich niemanden mehr. Das ganze Publikum tanzt und singt. Berauschend! Doch diesmal soll das nicht der Abschluss gewesen sein. „Rücken an Rücken“ bildet das Ende. Und dazu versuchen sich auch alle, genauso aufzustellen.

Alles in allem ein wunderbares Konzert. Was hat mich so lange von ASP abgehalten? Ich kann es nicht mehr sagen. Zwischenzeitlich gab es für mich einen ASP-Tiefpunkt. Doch der ist überwunden. Ich freue mich schon auf Folge 2 der „Verfallen“-Reihe!

 

Set-List für Nicht-Dabeigewesene:

Wechselbalg
Kokon
Himmel und Hölle
Krabat
Souvenir, Souvenir
Astoria
Loreley
How far would You go
Und wir tanzten
Sündige Heilige
Demon Love und Schneefall Medley (mit Nic von Spielbann)
Werben
Schwarzer Schmetterling
Schwarzes Blut
Per Aspera ad Aspera

Zugaben:

Ich bin ein wahrer Satan
Ich will brennen
Rücken an Rücken

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