von Frauke Remmers

„Endlich wieder ein Freitags-Konzert!“ Diese Aussage war am Abend des 20. November 2015 vor dem Backstage in München häufiger zu hören. Nachdem es diverse Durststrecken ohne gute Konzerte der schwarzen Szene in München gibt, hatten sich doch um die 200 Besucher bei strömenden Regen ab 19 Uhr vor dem Backstage eingefunden, um Project Pitchfork zu sehen. 

Eisfabrik

Eisfabrik

Nachdem sich dann um 20 Uhr so ziemlich alle in der Halle verteilt hatten gab es zeitweise noch ein kleines Rätselraten, ob die Jungs um Herrn Spilles bereits von Anfang an auf die Bühne kamen oder ob es doch die ein oder andere „Supportband“ geben sollte. Ein Blick auf den Merchandise Stand genügte jedoch um die Frage zu beantworten und eh man sich versah, ging es auf der Bühne auch schon los mit einer Band, dessen Name genauso wenig zu verstehen wie auszusprechen war: BhamBhamHara. Das Trio hat sich in der letzten Zeit durch diverse Remixe bereits einen Namen gemacht, welche sehr elektro-lastig und aggressiv sind. Die Lyrics sind sehr einfach gehalten, so dass so ziemlich jeder der Anwesenden die Stücke spätestens nach der 3. Wiederholung mitträllern konnte. Nichtsdestotrotz war die Stimmung selbst bei einigen mitreißenden Beats eher verhalten, was nicht zuletzt auf die auf Dauer doch etwas nervige Stimme des Sängers zurückzuführen war. Nach 25 min. war damit auch der erste „Spuk“ vorbei und der zweite folgte sogleich: drei „Eisheilige“ betraten in schneeweißem Outfit die Bühne, was in der schwarzen Szene in der Art ja eher befremdlich ist. Als dann auch noch deren Maskottchen in Form eines tanzenden Eisbärs auf der Tanzfläche auftauchte sollte auch der letzte der Anwesenden geschnallt haben, dass es sich bei dem Trio bestehend aus Dr. Schnee, der Frost °Celsius um „Eisfabrik“ handelte. Wäre es nicht inzwischen doch recht warm in der Halle geworden, hätte man sich tatsächlich wie im ewigen Eis gefühlt, was nicht zuletzt auch der Bühnendeko und dem Kunstlicht geschuldet war. Wie die Jungs jedoch durch ihre Brillen ihren kompletten Auftritt abwickeln konnten, ohne von der Bühne zu fallen, fragen sich so manche noch heute. Musikalisch war die Band etwas besser als ihre Vorgänger, die Elektrobeats waren melodischer und die Lyrics durchdachter. Durch den Animierbär auf der Tanzfläche und dem dann tatsächlich auch noch fallenden Kunstschnee war die Stimmung auf jeden Fall gut, wobei die Band eine Zugabe schuldig blieb. Stattdessen fanden sie sich nach dem Auftritt gleich am MerchStand ein und waren sofort für ihre Fans ansprechbar, wobei allerdings seitens der Band auch der Bedarf nach Kippen und Flüssigem im Vordergrund stand ☺

Project Pitchfork

Project Pitchfork

Nach der obligatorischen Pinkelpause betraten dann um 21.35 Uhr endlich Poject Pitchfork die Bühne. Merklich gefüllt hatte sich das Backstage zwar inzwischen nicht, aber die Stimmung war mit dem Intro „Timekiller“ bereits richtig gut – was natürlich auch den Vorbands ein Stück weit zu verdanken war. Auf der Bühne prangte eine riesige Lichterwand, die ein wechselndes Bühnenbild bilden sollte. Von dem Scheinwerfer-Feuerwerk braucht man PP ja wohl gar nicht erst reden. Zwischen den Liedern wurde die Bühne in völlige Dunkeheit gehüllt, so dass Herr Spilles etwas verschnaufen konnte. Bereits bei Midnight Moon Misery wirkte er stimmlich nämlich etwas angeschlagen, was aber wahrscheinlich auch auf die  stickige Luft in der Halle zurückzuführen war. Immer mal wieder offen stehende Türen sorgten zwar für Frischluft, aber auch für Kaltluft – passend zwar für Eisfabrik, aber für die tänzerisch doch etwas verhaltenden Münchner nicht immer angenehm. Die Band gab einen guten Mix aus alten und neuen Songs zum besten – von Fire and Ice, An End, The Rain wie auch Alpha Omega in der Langversion war in 1,5 Stunden einiges geboten – die allerdings nicht von großen Ansprachen unterbrochen wurden. Der immer wieder tosende Applaus zwischen den Songs war auch selbstredend. PP gelang es, sowohl die Dunkelbürger, wie auch die zu Beginn verirrt geglaubten, in Jeans und Alltagsdress anwesenden Zuhörer in den Bann zu ziehen. Der Ruf nach Zugabe war dann mehr als deutlich, wenn sich Herr Spilles auch geraume Zeit ließ, bevor er mit Souls in eine doch ausgiebige Zugaberunde startete. Nach knapp 2 Stunden endete dann ein wirklich toller Konzertabend, bei dem sich so mancher Zuschauer tänzerisch doch etwas verausgabt hatte. Von der Band selbst brauchen wir auch nicht zu reden, wie werden eben alle nicht jünger, aber das war die Sache absolut wert! ☺ In diesem Sinne, man ist so jung, wie man sich fühlt

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