Leandra
 
Geschrieben von Daniela am Dienstag, 05. Februar 2008

Bandinfos

"Ich kann mich nur weiterentwickeln,
wenn ich beide Seiten lebe"

Am 22. Februar steht mit „Metamorphine“ das Erstlingswerk der Jesus on Extasy Keyboarderin Ophelia Dax in den Plattenläden. Ophelia, die sich als Solokünstlerin Leandra nennt, hat für einen Song auf ihrem ihr Debütalbum Sven Friedrich gewinnen können. Wie es dazu gekommen ist und noch viel mehr hat uns Leandra im Interview verraten.
Leandra, noch ein paar Tage und dann steht dein erstes Soloalbum „Metamorphine“ in den Plattenläden – bist du nervös?
Ja und nein – ich weiß zwar, dass ich mit absolut allem an dem Album zufrieden bin und habe daher das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Ich bin aber sehr gespannt, wie die Welt da draußen es findet und platze vor Neugierde! Dies ist nämlich die unberechenbarste Komponente an dem Ganzen. Für Auftragskomponisten wie Dieter Bohlen vielleicht nicht, für Künstler jedoch ganz sicher…

Was bedeutet „Metamorphine“?
Das Wort beschreibt meine Sucht nach der Metamorphose, nach dem Wandel, den ich tagtäglich an mir spüre. Metamorphine ist wie eine Art körpereigene Substanz, die von Mal zu Mal bestimmte Rezeptoren in meinem Gehirn belegt oder blockiert und somit verschiedene Persönlichkeiten in Erscheinung treten lässt. Jeder Song auf dem Album ist in einer anderen Persönlichkeitsfacette von mir entstanden – diesen Aspekt habe ich auch im Artwork des Covers berücksichtigt: Jede Seite eine andere ich.

Du hast selbst aber auch eine Metamorphose zur Solokünstlerin hinter dir, man kennt dich ja eigentlich als die Keyboarderin von Jesus on Extasy.
Nun ja, Leandra gab es auch vor Jesus On Extasy. Ich habe mich nicht wie vielleicht gedacht zu einer Metamorphose entschieden, um mich jenseits von Jesus On Extasy zu betätigen und habe mich morgens mit einem Kaffee an den Rechner gesetzt, um neue Songs zu konzipieren – diese Arbeitsweise ist mir fremd und zu handwerklich. Ich habe lediglich das aufgenommen, was mir in bestimmten Extremsituationen ins Ohr kam – wie Einträge in einem Tagebuch. Es war also eher eine Metamorphose, die sich von Leandra zu Ophelia Dax ereignete und zum richtigen Zeitpunkt wieder zu Leandra.

Seit wann machst du Musik?
Ich habe schon mit drei oder vier Jahren das Klavier im elterlichen Wohnzimmer entdeckt, bekam mit sechs meinen ersten Klavierunterricht und ab da ging alles ganz schnell….auf der Bühne gestanden habe ich zum ersten Mal mit sieben.

Welche Künstler haben dein musikalisches Schaffen beeinflusst?
Ehrlich gesagt kann man es nur vermuten, denn ich beziehe mich in meinem Schaffen nicht auf andere Künstler, sondern eher auf meine Emotionen und Wahrnehmung. Doch ich denke, dass letztere durchaus von anderen Künstlern geprägt worden sind. Verdächtigen könnte man da alles von Rachmaninoff, Tschaikowsky, Chopin über Tool und bulgarische Volkschöre bis Slayer.

Wenn ich deine Songs höre, komme ich nicht umhin, an Björk zu denken…
Hmmm, ich höre manchmal Björk, aber ich kann nicht sagen, dass sie mich bewusst beeinflusst haben könnte. Sie ist eine geniale Frau, keine Frage, doch höchstens zwei Songs von mir rühren mich bis unter die Haut. Es ist genauso wie bei Tori Amos, mit der ich ständig verglichen werde und keine Ahnung habe, warum.

Du hast dir bei „The Art of Dreaming“ Unterstützung von Sven Friedrich geholt. Wie ist es zur Zusammenarbeit gekommen?
Ich hatte Svens Stimme schon vom Anfang an heimlich bei der Komposition berücksichtigt und mein Label irgendwann vorsichtig gefragt, ob sie nicht bei ihm anfragen könnten. Als ich hörte, dass „The Art Of Dreaming“ ihm sehr gefallen hatte, war ich völlig glücklich, weil der Song erst mit seiner Stimme für mich perfekt klingen konnte.

An der Gitarre steht aber auch kein Unbekannter!
Richtig, Chai von Jesus On Extasy wird mich bei einigen Gigs an der Gitarre begleiten. Wir kennen uns noch aus der Zeit, in der es JOE noch gar nicht gab. Damals schrieb er mich als Fan von Rya und mir an und wir entdeckten mit der Zeit eine ähnliche musikalische Wellenlänge. Genau aus diesem Grund habe ich ihn gefragt: ich wusste, dass er MIT mir und nicht FÜR mich spielen würde. Dies ist für mich die heiligste Arbeitsgrundlage.

„Metamorphine“ nimmt die Hörer mit in eine völlig eigene Welt. Wie entstehen deine Songs?
Die Songs fallen mir einfach ein. Ich höre sie in bestimmten Situationen, die mich inspirieren. Sie sind eine Art Soundtrack dazu. Ich setze mich wie gesagt nicht ins Studio, um an ihnen zu werkeln, sondern nehme sie einfach auf, als Abschrift, als EEG sozusagen. Wenn man ein komplett fertiges Stück im Ohr hat, ist die Umsetzung jedoch leider schwieriger, als wenn man Spur für Spur arbeitet. Damit sich das Stück nicht im Aufnahmeprozess verändert, zeichne ich erst eine Art roten Faden am Klavier, bevor ich mich an die Gesamtumsetzung mache.

„The Art of Dreaming“ kann ich schon Mal einen großen Erfolg bescheinigen. Das Lied ist wirklich wunderschön! In welcher Situation ist dir der Gedanke zu diesem Lied gekommen?
Vielen Dank!  Zunächst sollte ich erwähnen, dass ich mich sowieso viel mit Träumen und Traumreisen beschäftige. Als ich mal vor drei Jahren durch Irland zog, schief ich einige Nächte an einem wunderschönen Bergsee in Kerry und hatte dort einen luziden Traum, in dem ich plötzlich einen gedanklichen Dialog mit Sven hatte (was ich erst später herausfand, denn Sven war mir zu dem Zeitpunkt noch gar nicht bekannt). Der Song erklang währenddessen immer wieder und ich versuchte ihn im Traum festzuhalten, um mich im Wachzustand daran zu erinnern. Zurück in Deutschland, als ich meine Notizen durchsah, kam er mir wieder und ich bekam erst einen Lachanfall: „Den hast du doch bestimmt unbewusst von Depeche Mode geklaut!!!“, sagte ich mir unter Tränen. Daraufhin durchstöberte ich alle Musiksammlungen meines Bekanntenkreises und spielte diesen Song jedem DM-Kenner vor, bis mir jeder bestätigte, dass er anscheinend doch von mir war. Puh!

Wirst du mit deinen eigenen Songs auf Tour gehen?
Sehr gern und möglichst bald! Ich stehe unheimlich gern auf der Bühne, denn bei musikalischer Kommunikation gibt es im Vergleich zur verbalen weniger Missverständnisse und ich fühle mich sehr erleichtert. Ich sitze schon mit einem breiten Grinsen der Vorfreude meinem Lichttechniker zusammen, um eine sehr ausdrucksvolle Liveshow zu realisieren.

Ende Februar unterstützt du aber erst einmal die Letzte Instanz on the road. Bedeutet das, die Jungs von LI touren im Frühjahr mit einem Klavier im Gepäck?
Mit einem halben, würde ich sagen. Ich nehme mein Doepfer PK88 mit. Es hat 88 gewichtete Tasten, Hammermechanik und spielt sich wie ein Piano. Um den Sound so natürlich wie möglich zu gestalten, benutze ich dazu ein Piano von Kurzweil, das sich schon seit Jahrzehnten für solche Zwecke bewährt hat. Sonst bräuchte ich ja täglich einen eigenen Klavierstimmer und das würde ich niemandem antun! Später vielleicht…;)

Was steht bei Jesus on Extasy als nächstes an?
Im Mai wir unser zweites Album „Beloved Enemy“ in die Läden kommen. Ein Prachtstück von Platte, das jetzt schon auf Dauerrepeat in meinem Player läuft: härter, entschiedener, jeder Song ein Ohrwurm! Wir werden auch dieses Jahr Festivals spielen (u.a. Wave Gotik Treffen, Castle Rock und Summerbreeze) und planen eine Tour.

Wo siehst du dich in der Zukunft: Als Mitglied in einer Band oder als Solokünstlerin?
Als beides. Ich kann mich nur weiterentwickeln, wenn ich beide Seiten lebe. Dann herrscht ein Gleichgewicht, das mich wiederum ungemein inspiriert.

Daniela Mühlbauer

www.leandrasphere.de

www.letzte-instanz.de
www.digital-dandies.com

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