Amphi-Festival 2009 in Köln
 
Geschrieben von Schwarzeheike am Freitag, 31. Juli 2009

Festivals

Schwarz und doch nicht ganz farbecht

Es ist wieder einmal Juli in Deutschland. Juli, das bedeutet seit einigen Jahren in der schwarzen Szene ein Wochenendtrip nach Köln. Denn in Köln trifft man sich, um die aktuellen musikalischen Helden zu feiern. Man trifft sich, um mal wieder irgendwo zu sein. Es gibt ja sonst nicht viele Festivals. Pfingsten ist lange schon vorbei und als Warm-Up vor dem großen M’era Luna ist es genau das richtige, um die fast schon verstaubten Festival-Klamotten mal wieder Gassi zu führen. Also heißt es: auf nach Kölle!

Es ist nun schon das zweite Mal, dass die lieben Festival-Veranstalter uns mit Verbesserungen und tollen Neuheiten ins Rheinland locken. War es noch im letzten Jahr die Eingliederung des anbei gelegenen Strandes (sehr cool), ist es in diesem Jahr die Erweiterung des Geländes um die sich ebenfalls nahe des Tanzbrunnens befindliche Rheinparkbühne. Ein altes Fabrikgebäude, das uns gleich zu Beginn sympathisch ist. Innen düster – gut für Konzerte à la Feindflug, die in der gleißenden Abendsonne mit ihrer Bühnenshow keine so gute Figur abgeben würden. Und sehr weitläufig – gut für geschädigte Amphi-Vorjahres-Besucher, die sich ärgern mussten, wenn sie mal wieder nicht zu den Konzerten auf der Nebenbühne kamen, weil die kleine Halle wegen Überfüllung geschlossen war. Tolle Idee also. Das Gebäude der ehemaligen Nebenbühne wurde zur Chill-Out-Zone mit Kino umfunktioniert, und schon haben die Besucher irrsinnig viele neue Möglichkeiten.

Samstag – Regen, Sonnenschein und böse Überraschungen

Und mit diesen Möglichkeiten öffnen sich Samstag Mittag die Pforten des Kölner Tanzbrunnens. Es beginnt sehr übersichtlich mit ein paar unterhaltsamen Minuten, die die Gruppe Coppelius musikalisch ausfüllt. Fast parallel startet für die Elektro-Fraktion der Tag in der Rheinparkhalle. Auto-Auto, ein Relikt aus den 80ern, Jäger 90 und Xotox geben ihr Bestes, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Denn das Wetter tuts leider nicht. Immer wieder müssen wir unsere Schirme aufspannen, so dass Mantus und Solar Fake auf der Bühne recht nebensächlich erscheinen. Muss doch die toupierte Frisur und das neue Korsett ins Trockene gebracht werden. Mit Eisbrecher auf der Bühne öffnet der Himmel dann endgültig seine Pforten. Protest gegen die Münchner? Fast sind wir ein wenig beleidigt. Wollten wir uns doch später noch an den Strand legen und den Dom bei Nacht betrachten.

Also lieber wieder in die Rheinparkhalle zu Absolute Body Control, Agonoize und Feindflug, denn da ist die Stimmung bombastisch. Doch während draußen Covenant von Schiffen und Flüstern im Dunkeln singt und dabei der Himmel aufreißt, verlassen in der Halle plötzlich die Jungs von Feinflug die Bühne. Stukas? fragen wir uns gerade scherzhaft, als uns die Meldung einholt: Rheinparkbühne ist nicht mehr. Deckenteile sind abgestürzt und das ohne Kampfgeschwader aus luftigen Höhen. Vibrationen haben wohl den Deckensturz verursacht und das ist nun wirklich zu gefährlich für jedermann. Verständlich, doch was wird aus dem Headliner der Bühne, dem heimlichen Headliner des Abends, aus Laibach?

Wir lauschen Covenants letzten Klängen in der Abendsonne und begeben uns an den Strand – Zeit zum chillen und abwarten. Man kann eh nix ändern. Aber Cocktails trinken und Attraktion für die Flanierenden am Rheinufer spielen. Während wir Tipps abgeben, was wohl nun aus Laibach wird, geben uns Fields of the Nephilim einen eineinhalb-stündigen Backround. Sehr chillig. Wir beobachten die anderen Besucher. Stellen fest, dass es sich nicht gelohnt hätte, sich mehr herauszuputzen. Die anderen haben es, bis auf wenige Ausnahmen, auch nicht getan. Es ist eher ein grau bis anthrazitfarbenes Publikum, das ein wenig Abwechslung am Wochenende sucht. Nicht immer die gleiche Dorfdisco, auch mal Festivalluft schnuppern. Während wir alle schnuppern, bekommen wir Nachricht über Laibach: sie werden spielen, im Theater, also in jener kleinen Halle, in die nie einer reinkam, weil immer alles gesteckt voll war... Doch ein echter Laibach-Fan lässt sich nicht so leicht von Enge und Bedrängnis abhalten. So besucht ein Teil der Gäste spätabends noch das Konzert, während sich andere mit Shoppen und Relaxen am Strand vergnügen. Alles in allem ein ruhiger Samstag.

Sonntag – Windböen, Nieselregen und ein Abend mit Sonnenschein

Was der Samstag wettertechnisch noch nicht geboten hatte, bringt uns nun der Sonntag. Es regnet ab und an und es windet extrem. Frisur? Kann man vergessen. Outfit? Legt eh keiner so richtig Wert drauf. Was soll‘s. Und was die Technik an sich angeht gibt es nun kein Kino mehr und keine Chilling-Zone, sondern das Fest wie gewohnt. Mit Mainstage unter freiem Himmel und Halle im kleinen Theater. Doch trotz einiger Befürchtungen, es könnte nun recht überlaufen auf dem Gelände sein (mehr Platz heißt mehr Besucher, doch mehr Besucher, die nun weniger Platz haben, was heißt das?) bleibt es gesellig und übersichtlich. Die üblichen Schlangen an den Toiletten und den Gastronomie-Ständen bleiben ja eh gleich. Und so der Himmel will, haben wir ja noch die Chilling-Zone im Sand. Highheel-Trägerinnen haben halt nun Pech.

Musikalisch werden wir umgarnt von Panzer AG und Delain und eingelullt von Diorama auf der Hauptbühne. Die Alternative ist etwas lebendiger mit den Horrortypen von The Other und Jesus on Extasy. Doch während man im Theater nun ein wenig chilliger wird mit Omnia und Qntal, dreht die Hauptbühne auf. Zuerst kommt die Mittelalterfraktion mit Saltatio Mortis auf ihre Kosten. Und nachdem das Publikum die interaktive Spielleute-Show bejubelt hat gibt es was aufs Trommelfell mit Naturburschen ganz anderer Art. Hocico aus dem fernen Mexico bringt uns nun seine Kultur etwas näher. Den Indianern auf der Bühne möchte man Nachts nicht allein auf der Straße begegnen.

Nun beginnt ein kleiner Konflikt: Onkel Oswald im Theater? Oder lieber den Grafen auf dem Mainstage? Egal, wie man sich entscheidet, beides ist auf seine Art genial: Henke absolviert seine Supershow und Unheilig irrt sich ein wenig in der Zeit, so dass es gleich 2 Zugaben gibt. Was will man mehr? Doch noch ein Kölsch? Wir sind so happy, dass uns die gesalzenen Preise auf dem Gelände langsam auch nichts mehr ausmachen. Und so singen wir inbrünstig von Freiheit, während sich wieder einmal der Himmel aufhellt und uns die Sonne einen wunderschönen Abend beschert. Ein wenig Front 242 als Abschluss und noch etwas Gathering und Camouflage als Absacker und der Tag geht langsam zur Neige. Das Wetter hält sich. Und wir sind zufrieden.

Grufties beim Sonnen? In Köln kein Problem. Gib ihnen einen Strand und ein schwarzes Rahmenprogramm und schon fangen sie an, sich ihren blassen Teint zu versauen. Ach ja, und die Sonne muss ab und zu rauskommen. Spaß hatten wir mal wieder, denn wie heißt es so schön? Regen macht nass und Sonne macht albern.
Bis zum nächsten Mal!

Amphi-Festival 2009 in Köln

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